„Innocence“ ist die letzte Oper der finnischen Komponistin Kaija Saariaho, die 2023 gestorben ist. Es handle sich um „einen packenden, ergreifenden Psychothriller, der schonungslos Schicht für Schicht die Schuldverstrickungen der Figuren offenlegt und dennoch die Frage nach der (Un-)Schuld jedes Einzelnen offen lässt“, so die Semperoper auf ihrer Webseite. Die Handlung vollzieht sich auf unterschiedlichen Ebenen. Die Gegenwart zeigt die Hochzeit zwischen Tuomas und Stela; anwesend auch die Eltern des Bräutigams und einige Gäste. Auf einer anderen Ebene sprechen die Opfer eines Schul-Amoklaufs, in dem zehn Jahre zuvor Schüler und Lehrer getötet wurden. Die Verstrickung der beiden Ereignisse wird immer deutlicher, auch die Frage nach Ursache und Wirkung und danach, wer welche Schuld trägt. Es gehe um „die Ursachen von struktureller Gewalt und um die Unerklärlichkeit dieser Gewalt“, erklärt Regisseur Lorenzo Fioroni. „Das Besondere ist, dass das Stück das nicht rational erklären will, sondern in die Irrationalität, eine Unerklärlichkeit hinabsteigt.“ „‘Innocence‘ ist ein besonderer Opernabend, anspruchsvoll, heutig, bewegend“, schreibt die Sächsische Zeitung. „Gleich dem szenischen fesselt der musikalische Zugriff“, so die Deutsche Bühne. Und: „Unter Jonathan Becker tönt der Chor des Hauses spukhaft aus dem Off. Weidlich kostet Maxime Pascal mit der Sächsischen Staatskapelle den Thrill der Partitur aus.“ Der Opernfreund schreibt: „Der von Jonathan Becker exzellent einstudierte Chor, obwohl unsichtbar, stellte mit magischem Summen und Vokalisen Verbindungen zwischen dem Orchester sowie der Szene her und fügte dem Orchesterklang zusätzliche Farben hinzu.“ Das Foto (Semperoper Dresden/Sebastian Hoppe) zeigt Rosalia Cid (Stela), Paula Murrihy (Tereza), Venla Ilona Blom (Markéta).